13. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit
Wenn die Hand am längsten braucht: Technologie für die Rehabilitation von Arm und Hand
Nach einem Hirnschlag oder einer Hirnverletzung erholt sich die Gehfähigkeit bei vielen Patientinnen und Patienten schneller als die Funktion von Arm und Hand. Das hat einen neurologischen Grund, und es bedeutet nicht, dass die Handfunktion weniger Aufmerksamkeit verdient. Im Gegenteil: Für die Selbstständigkeit im Alltag, vom Anziehen über das Kochen bis zum Schreiben, ist eine funktionsfähige Hand oft entscheidender als jeder andere Fortschritt.
Warum die Hand besonders lange braucht
Die Steuerung der Finger beansprucht überproportional viel Hirnrinde im Vergleich zu grösseren Muskelgruppen wie dem Bein. Nach einer Schädigung müssen feinmotorische Verbindungen neu aufgebaut werden, und das gelingt nur durch sehr viele, sehr präzise Wiederholungen. Genau hier stösst die klassische Einzeltherapie an ihre Grenzen: Eine Therapeutin kann in einer Sitzung nur eine begrenzte Zahl an Fingerbewegungen von Hand führen, bevor die Zeit ausgeht.
Robotergestütztes Fingertraining als Ausgangspunkt
Bei Nextherapy setzen wir dafür unter anderem Amadeo ein, ein System, das als weltweit erstes Gerät alle fünf Finger gleichzeitig trainieren und beurteilen kann. Patientinnen und Patienten arbeiten gezielt an Streckung und Beugung der Finger, den Bewegungen, die nach einer Hirnschädigung häufig am stärksten betroffen und für den Alltag am wichtigsten sind. Amadeo passt sich dabei dem tatsächlichen Ausgangsniveau an: von rein passiver Führung bis zu aktivem Training gegen Widerstand. Das macht das System auch dann sinnvoll, wenn zu Behandlungsbeginn kaum eigene Handfunktion vorhanden ist.
Die ganze Bewegungskette von der Schulter bis zu den Fingern
Eine funktionsfähige Hand braucht auch einen funktionsfähigen Arm dahinter. Mit Pablo trainieren wir deshalb die gesamte obere Extremität als durchgängige Kette: von der Greifkraft über die Handgelenksbeweglichkeit bis zur Schulterfunktion. Präzise sensorbasierte Messung macht den Fortschritt dabei objektiv sichtbar, sodass sich das Training laufend an die tatsächlichen Fortschritte anpassen lässt.
Wenn Bewegung und Kognition zusammenspielen
Handrehabilitation ist selten nur eine motorische Aufgabe. Aufmerksamkeit, Planung und das Zusammenspiel von Sehen und Bewegen spielen eine ebenso grosse Rolle. Myro verbindet deshalb motorisches Training der oberen Extremität mit kognitiven Anforderungen in einer Sitzung, geeignet für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Für Patientinnen und Patienten mit deutlicher Restparese nach einem Hirnschlag oder bei komplexem regionalem Schmerzsyndrom setzen wir in Zürich zusätzlich das IVS3 von Dessintey ein: Eine intensive visuelle Simulation von Bewegung, die über das Spiegelneuronensystem des Gehirns neue motorische Bahnen anregt, auch bei Patienten mit sehr eingeschränkter Ausgangsfunktion.
Wie eine Sitzung abläuft und für wen sie geeignet ist
Zu Beginn steht ein Assessment: Die Therapeutin oder der Therapeut misst Kraft, Bewegungsumfang und Geschicklichkeit und wählt daraus die passende Kombination an Geräten. In St. Gallen ermöglicht die TyroStation dabei einen nahtlosen Ablauf, weil Assessment und mehrere Trainingsgeräte an einem Arbeitsplatz zusammengeführt sind, ohne Umbauzeiten zwischen den Übungen. Diese Technologien kommen bei einem breiten Spektrum neurologischer Krankheitsbilder zum Einsatz: nach Hirnschlag, bei Hirnverletzungen, Multipler Sklerose, Rückenmarkverletzungen und bei Kindern mit Zerebralparese. Wie viele Wiederholungen und welche Geräte im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet immer die individuelle Beurteilung, nicht ein starres Schema.
Kosten und nächster Schritt
Wie unser gesamtes robotergestütztes Programm rechnen wir auch die Arm- und Handtherapie zu den regulären Tarifen über Ihre Kranken-, Invaliden-, Unfall- oder Militärversicherung ab. Zusatzkosten für den Einsatz der Technologie entstehen für Sie nicht. Wenn Sie wissen möchten, welche Geräte für Ihre Situation oder die Ihres Kindes geeignet sind, beginnen wir gerne mit einer kostenlosen Vorabklärung in Zürich oder St. Gallen und besprechen mit Ihnen offen Ihre Ziele und die Kostenübernahme.
Der nächste Schritt
Sprechen Sie mit uns über Ihre Situation.
In einer kostenlosen Vorabklärung besprechen wir Ihre Krankengeschichte, Ihre Ziele und die Möglichkeiten der Kostenübernahme.
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